Lachen ist gesund!

 30.11.2021 - Oder wie auch im Volksmund bekannt: Lachen ist die beste Medizin. Gerade zu Pandemie-Zeiten, in der sich vor allem auch über die Sozialen Medien mehr schlechte als gute Nachrichten verbreiten, fällt einem das Lachen schwer. Doch gerade jetzt ist es umso wichtiger, Endorphine auszuschütten und den Körper mit Glück zu füllen. Warum ist das so? Was bewirkt eigentlich das Lachen?

Lachen ist eines der wichtigsten angeborenen emotionalen Ausdrucksverhalten des Menschen, das nicht nur, aber vor allem in der Gemeinschaft mit Mitmenschen seine Wirkung entfaltet. Das Lachen ist durch typische Lautäußerungen und eine stoßartige Ausatmung gekennzeichnet. Seit einigen Jahren werden die körperlichen und psychischen Auswirkungen des Lachens wissenschaftlich erforscht, dieser Forschungszweig heißt „Gelotologie“ (von altgriechisch γέλως gélōs, deutsch ‚Lachen‘). Mehrere renommierte medizinische Institute und Hochschulen in Deutschland erstellten schon Studien zur therapeutischen Wirkung des Lachens.

Beim Lachen sind rund 300 Muskeln vom Kopf bis zum Bauch und allein 17 Muskeln im Gesicht aktiv. Die Lunge nimmt beim intensiven Lachen viel Luft auf und da das Herz schneller schlägt, verteilt sich mehr Sauerstoff im gesamten Körper. Durch das Lachen steigt das Wohlbefinden, weil im Gehirn mehrere Glückshormone, vor allem Serotonin, produziert und die Ausschüttungen des Stresshormons Adrenalin gestoppt werden. Die vom Körper erzeugten weiteren Hormone, insbesondere die Endorphine, können vorhandene Schmerzen kurzzeitig verringern. Lachen kann sogar das Immunsystem anregen, weil mehr Antikörper zum Schutz vor Viren und Bakterien entstehen. Insgesamt aktiviert das häufige Lachen also die Abwehrkräfte und Selbstheilungskräfte des Körpers, verringert den Stresspegel und erzeugt durch die Hormonausschüttungen viele Glücksgefühle. Kinder lachen täglich spontan bis zu 400 Mal. Bei Erwachsenen ist das durchschnittlich nur 15 Mal der Fall.

Voll im Trend – das Lachyoga

Bei dieser Form des Yoga steht das grundlose Lachen im Vordergrund. Das anfangs künstliche Lachen soll durch bestimmte Übungen in echtes Lachen übergehen. Die Aktivitäten zum Erzeugen des Lachens sind Kombinationen aus Klatsch-, Dehn-, Atem- und Pantomime-Übungen.

16 Fakten warum Lachen gesund ist?

  1. Mit 100 km/h schießt die Luft beim Lachen durch die Lunge und bringt dabei die Stimmbänder zum Schwingen.
  2. 50 kcal verbrennt echtes und herzhaftes Lachen in nur zehn Minuten.
  3. 3- bis 4-mal mehr Sauerstoff als sonst wird beim Lachen von der Lunge verarbeitet.
  4. Menschen mit Lachfalten neben den Augen werden als intel­ligenter und attraktiver beurteilt.
  5. Unser Herz schlägt schneller, wenn wir lachen. Die Sauerstoffversorgung steigt, der Stoffwechsel wird angeregt. Wenn wir fertig gelacht haben, werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin abgebaut, und das Glückshormon Endorphin wird ausgeschüttet. Wir fühlen uns erschöpft, aber entspannt und glücklich.
  6. 20 Sekunden Gelächter regen das Herz- Kreislauf-System so sehr an wie drei Minuten schnelles Rudern.
  7. Unser Gehirn schüttet automatisch Glückshormone aus, wenn wir unser Gesicht zum Lächeln bringen.
  8. Die Blutgefäße werden beim Lachen erweitert. Es fördert damit die Durch­blutung und senkt den Blutdruck.
  9. Das Herz­infarkt­risiko ist bei Menschen, die häufig lachen um 50 Prozent niedriger.
  10. Die Verdauung wird durch Lachen angeregt.
  11. Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen werden durch Lachen gelindert.
  12. 1 Minute Lachen ist so erfrischend wie 45 Minuten Entspannungstraining.
  13. In Stressberufen sei Humor „eine völlig unter­ schätzte Ressource“, sagt Sozial­pädagoge Prof. Herbert Effinger aus Dresden. Bestes Beispiel: Pflege­berufe. Wer mit menschlichem Leid zu tun habe, verbiete sich oft das Lachen. Dabei sei eine humorvolle Atmosphäre für Patienten und Personal gleichermaßen günstig.
  14. Das Schmerz­empfinden wird bei herzhaftem Lachen um bis zu 30 Prozent gesenkt. Der Zürcher Humorforscher Willibald Ruch setzte 77 Testpersonen in Eiswasser. Jene, die echtes Lachen oder Lächeln zeigten, harrten länger aus.
  15. Die Tränen­drüsen werden beim Lachen aktiviert. Deshalb kriegt man dabei auch oft feuchte Augen.
  16. Die Lachtherapie wurde vom Wissenschaftsreporter Norman Cousins, der an einer äußerst schmerzhaften Rückenmarks­erkrankung litt, entdeckt, indem er lustige Filme ansah. Dabei bemerkte er: Nach zehn Minuten herzhaftem Lachen konnte er zwei Stunden schmerzfrei schlafen.

Nach dem Theaterwissenschaftler und Philosoph Prütting gibt es drei unterschiedliche Lacharten:

  • Das Bekundungslachen, das aus uns herausplatzt. Das wir nicht kontrollieren können und uns den größten Lustgewinn verschafft. 
  • Das Interaktionslachen wiederum ist jenes Lachen, mit dem wir uns anderen Menschen bewusst zuwenden. Zuerst über den Blickkontakt, dann über ein Lachen, das zustimmend, aufmunternd, verächtlich oder abwertend sein kann. Ein Lachen, das Worte ersetzt. 
  • Das Resonanzlachen hingegen ist das, in das wir einstimmen, sobald andere lachen. Lachen steckt an. Gruppen, in denen gelacht wird, ziehen uns magisch an. 

Lachen in der Philosophie und Kunst

Aristoteles war zu der Erkenntnis gekommen, dass die Fähigkeit zu Lachen den Menschen vom Tier unterscheidet. Der Begriff Homo ridens (lateinisch lachender Mensch) geht zurück auf seine Formulierung. Die klassische Kunst jedoch meidet das Lachen, wenn man vom archaischen Lächeln der Kuroi in ihren Anfängen einmal absieht. Wie viel Heiterkeit war im Mittelalter erlaubt, denn Lachen war zu der Zeit gotteslästerlich.

Das Fürstenportal am Bamberger Dom, entstanden um 1230, zeigt über der Tür eine Darstellung des Jüngsten Gerichts mit Jesus Christus als Richter auf dem Thron. Die Gesichter der Verdammten sind zu fratzenhaftem Lachen verzerrt.

Umberto Eco baut diese Thematik in Form von „vergiftete Seiten“ in seinem Roman `Der Name der Rose´ ein: Innerhalb weniger Tage sterben ein Illustrator, ein Übersetzer und ein Bibliotheksgehilfe zum Teil, nachdem sie mit Jorge von Burgos, dem Bibliothekar, darüber in Streit geraten waren, wie gotteslästerlich das Lachen nun wirklich sei – und wie gefährlich der Band über die Komödie des Aristoteles. Wer beim Umblättern den Zeigefinger befeuchtet, nimmt eine Dosis Gift auf – je länger er liest, desto tödlicher ist die Dosis. Was Jorge de Burgos beweisen wollte: Humor ist gefährlich.

Die Bildende Kunst, sofern sie Dauer will, lehnt die Darstellung des Lachens aber nicht nur aus den erwähnten Glaubensgründen, sondern auch deshalb überwiegend ab, weil es sich dabei um einen nur transitorischen Gefühlsreflex handelt, der zudem auf einen Auslöser (Bild, Witz, komische Gestalt) verweist, der nicht mit abgebildet werden kann.  Die dramatische Kunst der Komödie auf der Bühne oder als Film will Lachen beim Publikum erzeugen, wofür sie das Lachen ihrer Darsteller gern unterdrückt; Musterbeispiel hierfür ist The great stoneface Buster Keaton.

Tolle Initiativen

Seit 2008 gibt es in Deutschland die vom Arzt und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen gegründete Stiftung „Humor hilft heilen“, die das Humane und den Humor in der Medizin und der Pflege stärken möchte. Die Idee von Patch Adams, Clowns in Krankenhäuser zu bringen, kam vor 15 Jahren nach Deutschland. Zu den zentralen Aktivitäten gehören viele Clowns, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen durch humorvolle Aktionen die Heilungsprozesse von Patienten unterstützen. Auch Ärzte und Pfleger erhalten Anleitungen, damit sie im Umgang mit den Kranken mehr Humor entwickeln. Interessierte Personen können diese Initiative nicht nur durch ihre Spenden unterstützen, sondern selbst aktiv werden. In Humor-Workshops kann man sich zum Klinik-Clown ausbilden lassen und später in Krankenhäusern mit anderen Clowns auftreten. Mehr über die Stiftung Humor hilft heilen.

Quellen:

www.carpediem.life/lachen-ist-gesund/
www.silver-tipps.de/lachen-ist-die-beste-medizin-teil-1/
de.wikipedia.org/wiki/Lachen



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